Oft lassen sich die hochwertigen Lebensmittel in der Fuldaer Tafel nicht verteilen, weil die Bedürftigen nicht wissen, wie sie die Produkte zubereiten sollen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit der Ferdinand-Braun-Schule und Soroptimist International haben Studierende des Fachbereichs Oecotrophologie an der Hochschule Fulda Informationsmaterialien entwickelt. Am 4. Februar fand die offizielle Übergabe statt.
In dem kleinen Verkaufsraum herrscht reges Treiben, fast wie auf einem Markt. Kisten mit Obst und Gemüse türmen sich auf den Tischen. Mitarbeiterinnen der Fuldaer Tafel zupfen von Kopfsalat die welken Blätter ab und sortieren aus einem Berg Orangen und Äpfel all das aus, was noch zum Verzehr geeignet ist. 8 bis10 Tonnen Lebensmittel gibt die Fuldaer Tafel hier pro Woche an Bedürftige weiter. Lebensmittel, die in den Geschäften nicht mehr verkauft werden, weil sie kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind, weil sie Druckstellen aufweisen oder die Verpackung beschädigt ist. Die Fuldaer Tafel holt sie in den Läden ab und verkauft sie an ihre Kunden für einen Pauschalpreis von 2 Euro. Während in unzähligen Fernsehsendungen Starköche Gourmetmenüs zaubern, kommen in Fulda 150 bis 200 Kunden pro Tag zur Tafel, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.
„Manchmal bekommen wir Lebensmittel in großen Mengen, mit denen unsere Kunden nichts so recht anzufangen wissen“, erklärt Heinz Steege, der erste Vorsitzende des Vereins. Solche Lebensmittel bleiben dann in den Kisten liegen: Denn bei der Fuldaer Tafel kann sich jeder aussuchen, was er will. Spargel beispielsweise stehe in Kasachstan gar nicht auf dem Speiseplan. „Wenn wir die entsprechenden Informationen zur Zubereitung gleich mitzuliefern, dann steigt hoffentlich die Akzeptanz, dann können wir unsere Kunden hoffentlich an dieses hochwertige Produkt heranführen.“ Genau das wird die Tafel ab der kommenden Woche tun. Sie wird ihre Kunden mit Rezepten für Spargel, Räucherlachs und Rosenkohl versorgen und gleich ein paar allgemeine Ernährungstipps mitliefern.
Die Idee entwickelten Studierende der Hochschule Fulda, als sie im Rahmen eines Projektes ein Praktikum in der Fuldaer Tafel absolvierten und hautnah erlebten, wo Unterstützungsbedarf ist. In Zusammenarbeit mit der Ferdinand-Braun-Schule und Soroptimist International entstanden zielgruppenspezifisch aufbereitete Rezeptblätter und ein Flyer mit Tipps für eine gesunde Ernährung. Und damit die garantiert verstanden werden, gibt es die Infomaterialien auch in russischer und türkischer Sprache. „Uns ging es bei diesem Projekt vor allem um die Qualität“, erklärt Prof. Dr. Anja Kroke, die sich mit Ernährungsepidemiologie und Präventionsstrategien beschäftigt und das Projekt an der Hochschule Fulda betreute.
„Alleine hätten wir solche Informationsmaterialien nicht erstellen können“, betont Steege. „Wir sind auf Partnerschaften angewiesen.“ 300 Mitglieder hat der Verein und 145 Helferinnen und Helfer, die die Lebensmittel mit den drei vereineigenen Kühlwagen abholen und den Verkauf organisieren. Fast alle arbeiten ehrenamtlich für die rund 1500 Abholungsberechtigten. Die Familienangehörigen eingerechnet, sind es etwa 4000 Bedürftige, die die Tafel versorgt. Darunter mehr als 1500 Kinder. „Die Gesamtzahl unserer Kunden“, so Steege, „ist in den vergangenen zwei Jahren zwar nicht gestiegen. Dafür nimmt bedauerlicherweise die Zahl der Kinder zu.“ Viele alleinerziehende Mütter seien unter den Abholern. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Fulda wünscht sich Steege fortzuführen. „Eigentlich brauchen wir auch noch Kochkurse“, denk er laut nach. „Im Herbst starten wir das nächste gemeinsame Projekt“, verspricht Kroke.


