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Thema 2004/1, die Fachhochschulzeitung

Praktikum in Grönland

Ilulissat, die drittgrößte Stadt Grönlands mit 4.700 Einwohnern, zwei Cafés, vier Bars/Pubs und einem Kulturhaus, wurde für Anke Spröde für drei Monate zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Im Rahmen ihres Studiengangs ICEUS absolvierte sie dort ein Auslandspraktikum bei „Greenland Tours Elke Meissner“.

 

Frau Spröde, was hat Sie dazu bewegt, ein Auslandspraktikum zu machen?

Meine Studienordnung sieht ein Auslandspraktikum vor. Außerdem Ich habe ich in Dänemark gelebt und studiert und wollte vor allem noch mal ins Ausland gehen, um die dänische Sprache aufzufrischen.

 

Aber sie sind ja dann nicht nach Dänemark gegangen, sondern nach Grönland. Weshalb?

Ich habe mich bei Deutschen Konsulaten in Dänemark, Island und Grönland beworben, aber hier gab es keine Möglichkeiten. Die grönländische deutsche Honorarkonsulin Elke Meissner hat mir jedoch angeboten, bei ihrer Firma im Touristiksektor zu arbeiten.

 

Hatten Sie keine Befürchtungen, so weit weg von Deutschland und in einer anderen Sprache zu arbeiten?

Ich fand es eigentlich vor allem spannend,. Weil weil ich noch nie in auf Grönland war, und weil ich wusste, dass Grönland immer noch eine sehr enge Bezug Beziehung zu Dänemark hat und auch wirtschaftlich und politisch eine große Rolle spielt. Befürchtungen hatte ich höchstens wegen der Sprache, weil ich ein Jahr lang kein Dänisch gesprochen hatte.

 

Hatten Sie die Möglichkeit, notfalls auch Englisch zu sprechen?

Nein. Alles lief  auf Dänisch, da die meisten meiner Kollegen und unserer Gäste Dänen waren, und auch alle meine Kollegen Dänen oder Grönländer waren. Das war die ersten zwei Wochen schwierig, aber ich hab mich dann recht schnell daran gewöhnt.

 

Wie standen Ihre Chefs und die Kollegen einer ausländischen Praktikantin gegenüber?

Generell ist die Firma prinzipiell sehr offen. Jedes Jahr kommen einige junge Leute und arbeiten für ein paar Monate mit. Das gehört fast schon zum Geschäftskonzept der Firma. Allerdings müssen die Praktikanten Dänisch sprechen können.

 

Sie haben in Grönland ja im Tourismusbereich gearbeitet. Gibt es auch andere Bereiche auf Grönland, in denen Praktika möglich sind?

Es gibt auf Grönland kaum andere Bereiche von wirtschaftlicher Bedeutung als den den Tourismus und die Fischerei. Ich hab nur eine andere ausländische Praktikantin, die auch in Ilulissat gearbeitet hat, kennen gelernt. Sie hat im Naturschutzbereich ein Praktikum gemacht.

 

Haben Sie Unterschiede zwischen der Arbeitsweise auf Grönland und in Deutschland festgestellt?

Kulturell gesehen arbeiten Grönländer und Dänen wesentlich teamorientierter. Unsere Chefs haben zwar die Entscheidungen getroffen, aber es gab immer viele Diskussionen und Dialoge. Wenn wir anderer Meinung waren, konnten wir das auch ohne weiteres äußern.

 

Glauben Sie, dass Sie das, was Sie dort gelernt haben, auch mal einsetzen werden?

Was das rein fachliche betrifft, weiß ich nicht, ob ich das brauche, da ich wahrscheinlich später nicht im Tourismus arbeiten werde. Aber im zwischenmenschlichen Bereich habe ich sehr viel gelernt.

 

Hatten Sie das Gefühl, dass sie im Ausland mehr Schwierigkeiten haben ein höherwertiges Praktikum zu bekommen als in Deutschland?

Ich denke, dass die Qualität eines Praktikums prinzipiell nicht davon abhängig ist, in welchem Land man das Praktikum macht. Ich glaube, es kommt wirklich auf den Betrieb und die Chefs oder Ansprechpartner an - und natürlich auf seinen eigenen Einsatz.

 

Haben Sie eine Suchstrategie parat, die auch anderen bei der Suche nach einem Auslandspraktikum weiterhelfen könnte?

Was einem wirklich bei der Suche hilft, ist, sich klar zu machen, was man machen möchte, was man machen kann und wo man diese Aspekte gut vereinen kann. Dann sollte man sich dann gezielt zu bewerben.

 

Würden Sie Studierenden raten, ein Auslandspraktikum zu machen, auch wenn sie fachlich vielleicht nicht so sehr profitieren?

Das Fachliche ist sicher nicht unwichtig, aber ich denke, es steht wirklich an zweiter Stelle bei Auslandsaufenthalten. Man profitiert ungemein davon, in einem anderen Land, in einer anderen Kultur und mit einer anderen Sprache gelebt zu haben.

 

Wie haben Sie denn erfahren, dass Ihr Grönland-Aufenthalt auch gefördert werden kann?

Bei einem Vorbereitungsseminar an der FH Fulda wurde Leonardo vorgestellt, und ich habe mich dann einfach beworben. Wenn es auch nicht die volle Unterstützung war, bin ich doch froh, dass ich neben dem Entgelt von Greenland Tours auch das ein kleines Leonardo-Stipendium Teilstipendium und einen Reisekostenzuschuss erhalten habe.

 

Was war Ihr persönliches Highlight auf Grönland?

Da kann ich mich spontan für keines entscheiden … Einmal haben meine Chefs mich überrascht. Da sind wir, meine beiden Chefs, meine Kollegen in und ich mit dem Helikopter ins Inlandeis geflogen. So etwa 40 km ins Inlandeis hinein. Das war ganz ganz toll. Das war dann vielleicht doch so das Highlight.

Das Interview führte Sina Specht von der Leonardo Kontaktstelle Fulda

Auslandspraktika sind in einigen Studiengängen der Fachhochschule Fulda bereits Pflicht, in vielen anderen Studiengängen werden sie zumindest empfohlen. Neben einem „Highlight“ für den Lebenslauf vermitteln Auslandpraktika wichtige Schlüsselqualifikationen und interkulturelle Kompetenz. Um die finanziellen Mehrkosten eines Auslandspraktikums aufzufangen, wurde das EU-Programm Leonardo geschaffen, mit dem Praktika in Unternehmen und Einrichtungen gefördert werden können. Die Leonardo Kontaktstelle Fulda, die gemeinsam von der Fachhochschule Fulda und dem Institut inter.research e.V. betrieben wird, verwaltet das Stipendienprogramm für Hessen (Projektleitung: Christina Langsdorf, Referat für Wissenstransfer). Informationen erhalten Sie unter: www.practical-training.de/leonardo oder in der Leonardo-Sprechstunde (mittwochs 13-15 Uhr in LS 208).