26. Oktober 2001
Felder, Wellen, Strahlen
Vor bis an den Rand vollbesetztem Hörsaal begrüßte der Präsident der Fachhochschule Fulda, Prof. Dr. Roland Schopf, die Teilnehmer des diesjährigen Fuldaer Elektrotechnik-Kolloquiums. Prof. Schopf hob die wachsende Beliebtheit des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik hervor, die sich in der stark gewachsenen Zahl seiner Studienanfänger niederschlage. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass der Fachbereich an die Öffentlichkeit gehe und sich und sein Angebot an Schulen bekannt mache.
Den engen Kontakt des Fachbereichs zu den regionalen Unternehmen unterstrich der Vorsitzende des Förderkreises und Unternehmer Dipl.-Ing. Bernhard Juchheim in seiner Begrüßung. Der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Martin Werner, stellte als geplante Weiterentwicklung die mit dem Fachbereich Angewandte Informatik gemeinsam angestrebte Einrichtung eines Bachelor- und Master-Studiengangs "Technische Informatik" heraus. Dazu seien weitere Personal- und Sachmittel nötig. Die Finanzierung sei jedoch noch nicht gesichert. Diesen Punkt griff Landrat Fritz Kramer in seinem Grußwort auf. Er bot der Fachhochschule seine Hilfe und Unterstützung mit den Worten an: "Herr Präsident, ich strecke ihnen meine Hand entgegen".
Das Thema des sechsten ET-Kolloquiums "Felder, Wellen, Strahlen" lockte viele Bürger an, die beim Anblick von Mobilfunkantennen und Hochspannungsleitungen zunehmendes Unbehagen verspüren oder gar Angst haben.
Und genau darum ging es in den ersten beiden Vorträgen. "Mikrowellen und hochfrequente elektromagnetische Felder - ‚Elektrosmog‘: nur ein Reizwort?" war das Thema von Prof. Dr. Achim Enders von der Technischen Universität Braunschweig. Prof. Helmut Böhme vom Forschungszentrum Heidelberg sprach über "Niederfrequente elektromagnetische Felder - Gefahr und Gerede". Kern ihrer Aussagen war, dass die Felder sehr wohl Gesundheitsrisiken mit sich bringen, diese aber durch die bestehenden Vorsorgewerte nach dem Stand der Wissenschaft ausreichend berücksichtigt seien. Gemessen an anderen Risiken, wie Autoverkehr und Freizeitaktivitäten sei ein mögliches verbleibendes Risiko so gering, dass es vernünftiger sei, zuerst etwas gegen diejenige Risiken zu unternehmen, die sich leichter reduzieren ließen.
Die Reaktion des Publikums blieb nicht aus: Ob man nicht die Wirkung gepulster Felder außer Acht gelassen habe, wollte einer der Zuhörer wissen, worauf er zur Antwort bekam, dass "gepulste Felder einen Demodulator brauchen", um ihre besondere Wirkung zu entfalten, und dass ein solcher Demodulator im Körper bisher nicht gefunden worden sei.
Die Landtagsabgeordnete Silvia Hillenbrand gab zu bedenken, dass andere Länder, wie die Schweiz zum Beispiel, mit einem weit größeren Sicherheitsfaktor als dem in Deutschland üblichen rechneten. Prof. Enders sagte dazu, dass die "Schweiz sich und uns damit keinen Gefallen getan hat. Es wird für sie teuer werden, ihre Lebensqualität zu erhalten". Beide Redner stellten abschließend fest, dass die Diskussion Ruhe brauche.
Nach einer kleinen Pause gab es dann endlich Theorie. Tagungsleiter Prof. Dr. Eckhard Baum von der FH Fulda legte die Hintergründe der "Berechnung von Wirbelstromverteilungen" dar. Einem furiosen Einstieg unter Zuhilfenahme einer stattlichen Anzahl von Formeln ("Das kommt ihnen ungewohnt vor - aber nehmen sie’s mal so hin") schloss sich ein versöhnlicher Teil an, der in einer schönen Folge von Bildern die Wirbelstromverteilungen in Gegenständen veranschaulichte. Elektrotechnik kann also nicht nur nützlich, sondern sogar schön sein.
Auf den harten Boden der Praxis wurden die Teilnehmer von Dr. Peter Hasse geholt. Aus seinem reichen Erfahrungshintergrund als erfolgreicher Unternehmer und Hersteller von Blitzschutzeinrichtungen, als Berater und Mitarbeiter in Normungsgremien sprach er über "Blitzschutz und Erdung". Er verstand, das ernste und eigentlich recht trockene Thema mit Leben zu füllen, und auch der Humor kam nicht zu kurz. Die Anwesenden dankten ihm seine direkt umsetzbaren und hilfreichen Hinweise und Tipps mit reichem Beifall.
Der Preis für herausragende Diplomarbeiten wird vom VDE-Bezirksverein Rhein-Main vergeben. Der Leiter der Zweigstelle Fulda des Bezirksvereins, Dipl.-Ing. Lutz Strehlow vom Überlandwerk Fulda, stellte kurz den Lebenslauf des Namensgebers des Preises vor: Friedrich Dessauer richtete als Zwanzigjähriger in Aschaffenburg ein Elektrotechnisches Laboratorium für Röntgenapparate ein. Er hielt Vorträge von technisch-wissenschaftlichem Charakter und war darauf bedacht, dass die Mediziner seine Apparate richtig benutzten. Mit 25 Jahren war er bereits Fabrikdirektor und zu Beginn des ersten Weltkriegs hatte sein Unternehmen etwa 500 Mitarbeiter. Er ließ sich von der Vorstellung leiten, dass der Arbeiter "nicht nur notwendiges Objekt sei, sondern auch Partner des Unternehmers sein müsse".
Zusammen mit dem Mitglied des Vorstands des VDE-Bezirksvereins Rhein-Main, Dipl.-Ing. Frank Brzezinski, verlieh Strehlow anschließend drei Buchpreise an die Diplom-Ingenieure (FH) Heiko Bätz, Dirk Landsiedel und Michael Müller. Die Stiftungspreise, die mit einem Geldbetrag verbunden sind, erhiehlten die Diplom-Ingenieure (FH) Christoph Pfarrherr (3. Preis), Steffen Wittmann (2. Preis) und Thomas Glotzbach (1. Preis).
... überreichte der ehemalige Dekan des Fachbereichs, Professor Dr. Bernd Cuno, der "ersten fest eingestellten Kraft des Fachbereiches Elektrotechnik", Frau Sandra Hofmann (Bild), einen Bollerwagen; dies als Dank des Fachbereichs für die an zentraler Stelle geleistete Arbeit verbunden mit den besten Wünschen anlässlich der Geburt ihres Sohnes Marcel.
Schließlich richtete der Tagungsleiter noch einmal ein Wort an die Tagungsteilnehmer. Er bedankte sich bei den Vortragenden und sagte, wie wichtig es sei, "dass Menschen im Hintergrund mitdenken". Dieser Dank galt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs und den studentischen Helfern.