
31. Oktober 2003
Mikrosystemtechnik
Der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Roland Schopf, und Staatssekretär Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard machen von der parallel stattfindenden Gründungsfeier für den neuen Fachbereich Sozialrecht einen Abstecher zum ET-Kolloquium. Sie gratulieren dem Fachbereich zum Geburtstag und wünschen dem Kolloquium einen guten Verlauf.
Der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Thomas Schittny, begrüßt die Teilnehmer der Veranstaltung und stellt kurz die Arbeit des Fachbereichs vor. An erster Stelle stehe die Anstrengung, das Lehrangebot durch innere und äußere Evaluation weiter zu entwickeln und aktuell zu halten. Der zweite Punkt sei das Fachbereichsmarketing, insbesondere die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Beispiele hierfür seien die schon traditionellen Kurse mit Teilnehmern aus Marien-Schule und Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Die dritte Säule des Fachbereichs bildeten seine Kontakte zur Industrie. Bei dieser Gelegenheit dankt er den Firmen Lasslop, ÜWAG, Jumo, Schneider Electric, Michaelides und Jass für Spenden in Höhe von 25 000 €. Sie ermöglichten die Anschaffung von Computerarbeitsplätzen zur Vervollständigung des Simulations-Labors. Diese Aktion sei für ihn ein gutes Beispiel für Public-Private-Partnership.
Für den Oberbürgermeister überbringt Stadtrat Diplomingenieur Wolf-Rüdiger Bellinger die Grüße der Stadt. Er erwähnt die künstlerische und wissenschaftliche Tradition Fuldas mit ihren kunstsinnigen Fürstäbten, der Klosterschule von 748 und der Universitätsgründung von 1530. Die Fachhochschule sei mit ihren Studierenden ein wichtiger Bestandteil des städtischen Lebens. Und der seit zehn Jahren bestehende Fachbereich Elektrotechnik sei ein wichtiger Bestandteil der Fachhochschule.
Weitere Grußworte kommen vom Vizepräsident der Fachhochschule, Prof. Dr. Werner Winzerling, und vom Vorsitzenden des Förderkreises, Diplomingenieur Bernhard Juchheim. Juchheim lobt Forschung und Lehre des Fachbereichs und stellt ihm die weitere Unterstützung in Aussicht.
Prof. Dr. Antoni Picard vom der Fachhochschule Kaiserslautern/Zweibrücken beginnt seine Vortrag „Mikrosystemtechnik in der Ausbildung“ mit einer Frage an das Publikum: Wie dick ist ein Haar? Das Publikum reagiert wie im Hochschulalltag - nämlich ziemlich verhalten. Picard: Das Haar hat eine Stärke von etwa 60 Mikrometer. Dann zeigt er technisch erzeugte Strukturen mit wesentlich geringeren Wandstärken (5...10 mm) und Spaltbreiten (1 mm).
Picard unterscheidet eine „Mikrotechnik von oben“, bei der es um die Verkleinerung normaler Technik geht, und eine „Mikrotechnik von unten“. Letztere mit ihren Mikrostrukturprodukten sei die „echte Mikrosystemtechnik“. Als Beispiel nennt er den Tintenstrahldruckkopf, mit dem sich kleinste Flüssigkeitsmengen genau dosieren lassen. Als einen Wachstumsbereich sieht er Biochips mit ihren Anwendungen in der Medizin, beispielsweise Hörgeräte mit direkter Stimulation im Innenohr. In der chemischen Industrie können tausenden von Mikroreaktoren die Aufgaben eines großen Reaktors übernehmen.
Aufgabe der Fachhochschule ist es, Ingenieure für diese innovationsträchtigen Technologien auszubilden. Ein Labor der Mikrosystemtechnik, das in Teilen Reinraumbedingungen genügen muss, ist aber sehr teuer: Für die Einrichtung fallen etwa 16 Mio. € an, so Picard. Dazu kommen Kosten für die Unterhaltung von etwa 1 Mio. € im Jahr. Ein solches Labor existiert in Zweibrücken.
Picard zeigt einige Wege der Kostenreduzierung auf. Da die Fehlbedienung der teueren Apparate sehr teuer zu stehen kommt, werden Studierende in einem virtuellen Technologielabor am Computer auf ihre Arbeit im realen Labor vorbereitet. Picard meint, dass nicht jede Fachhochschule ihr eigenes Mikrosystemtechnik-Labor benötige. Er zeigt Wege der Kooperation auf, auch solche zwischen den Fachhochschulen verschiedener Länder.
... und Industrie (Automobil)
Aus der industriellen Praxis der Mikrosystemtechnik berichtet Dr. Roland Müller-Fiedler in Vertretung von Dr. Hans-Peter Trah. Er zeigt eine Reihe interessanter Anwendungen der „Mikrosystemtechnik im Automobil“: Mikromechanische Sensoren dienen der Aufnahme von Druck, Massenfluss, Beschleunigung und Drehrate; Magnetfeldsensoren hat man zur Messung von Drehzahlen und Dünnschichtsensoren werden für die Messung hoher Drücke gebraucht. Hinzu kommen noch die Abgassensoren. Müller-Fiedler beschreibt die Funktionsprinzipien einiger innovativen Sensoren.
Aus der Diskussion
Prof. Dr. Winzerling: Was wäre denn ein guter neuer Fachbereich für die Fachhochschule?
Dr. Müller-Fiedler: Es gibt nicht den Studiengang. Die Arbeitsteilung macht’s. Wir brauchen Prozesstechniker, Generalisten, Physiker, Fachleute für Simulation und so weiter. Also Leute mit soliden Kenntnissen in Basisfächern. Darüber hinaus ist Flexibilität gefragt. Schwerpunkte (z.B. Mikrosystemtechnik) sind nicht das Problem. Was fehlt, sind Absolventen insgesamt. Ihre Zahl ist zu gering.
(Das ist dem Sinn nach aufgeschrieben; es handelt sich nicht um ein Wortprotokoll.)
Verleihung des Friedrich-Dessauer-Stiftungspreises des VDE Rhein-Main durch den Ressortleiter „Hochschulkontakte und Jungmitglieder“ des VDE-Bezirksvereins Rhein-Main, Dipl.-Ing. Frank Brzezinski, und den Leiter der Region Ost des VDE Rhein-Main, Dipl.-Ing. Lutz Strehlow (im Bild jeweils ganz außen links und rechts). Die Preisträger sind (von links nach rechts): Dipl.-Ing. Egon Krenzer (1. Preis) und Dipl.-Ing. Alexander Schulz (2. Preis). In der Gratulationsrunde dabei ist der Dekan des Fachbereichs (halb verdeckt).