Pflege und Gesundheit
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Gesundheitsschutz bei interpersoneller Gewalt

OEG – Entschädigung von Opfern interpersoneller Gewalt

Projektleitung:

Prof. Dr. Beate Blättner

  

  

Mitarbeiterinnen:  

Anna Grundel (M.Sc. Public Health) 
Siona Decke (B.Sc.)

Gefördert von:

Hessische Hochschulen 

Kooperation: 

Amt für Versorgung und Soziales (Fulda)                    
Hessisches Sozialministerium
Landkreis Fulda

Laufzeit:

01.10.2009 – 31.10.2010 

Opferentschädigung unter Vorbehalt

Der gesellschaftliche Umgang mit Gewalt kann Betroffenen helfen oder schaden. Entscheidend dafür ist, ob erlittenes Unrecht eine öffentliche Anerkennung erfährt oder nicht. Menschen die Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt geworden sind, haben in Deutschland einen Anspruch auf Opferentschädigung durch das Opferentschädigungsgesetz (OEG). Das OEG bietet grundsätzlich die Möglichkeit Unrecht öffentlich anzuerkennen und Betroffene damit zu unterstützen.

In dieser einjährigen Studie wurde untersucht, ob und wie Betroffene von diesem Gesetz profitieren. Dafür wurden 209 Anträge aus dem Hessischen Amt für Versorgung und Soziales Fulda statistisch ausgewertet. Außerdem wurden sog. Experteninterviews mit Mitarbeitenden der Versorgungsverwaltung in Fulda geführt.

In der OEG-Studie zeigte sich, dass nur sehr wenige Opfer von Gewalt Anträge auf Entschädigung stellen. Zudem wird von den gestellten Anträgen die Mehrzahl abgelehnt. Es fanden sich Hinweise darauf, dass die Gewaltform eine Rolle dabei spielt, ob ein Antragsverfahren erfolgreich zu Ende geführt werden kann.

Durch Änderungen in der Verfahrenspraxis, vor allem aber durch eine Neuregelung des Opferrechts, könnten gleiche Chancen auf Anerkennung und Entschädigung wahrscheinlicher werden. Mehr zum Hintergrund und Vorgehen im Projekt sowie Ergebnisse und Empfehlungen finden Sie hier.

Zentrale Ergebnisse

  • Entschädigungsleistungen nach dem OEG kommen insgesamt nur wenigen Betroffenen zugute.
  • Die Bearbeitungsdauer eines Antrags beträgt durchschnittlich 13 Monate, bei bewilligten Anträgen 6 Monate länger als bei abgelehnten. Somit ist eine zeitnahe Unterstützung und Anerkennung von Gewaltopfern durch das OEG nicht möglich. 
  • Opfer häuslicher-, familiärer und Partnergewalt sind unter den Antragstellenden unterrepräsentiert und sehen sich im Antragsverfahren mit strukturellen Schwierigkeiten konfrontiert.
  • Psychische Gewalt (insb. Stalking) ist nicht als Tätlichkeit im Sinne des OEG anerkannt, trotz nachweislicher Folgeschäden.
  • Psychische Folgeschäden von Gewalt sind in einem OEG Verfahren schwerer nachzuweisen als körperliche.
  •  Für Menschen mit schweren v.a. körperlichen Gewaltfolgen bietet das OEG gute finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und Vorteile bei der medizinisch- therapeutischen Behandlung sowie die Möglichkeit Produktivitätsverluste auszugleichen. 

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Projektdetails

Infoblatt hier herunterladen 

Zusammenfassung hier herunterladen

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Publikationen

Artikel

Grundel A, Blättner B (2011): Entschädigung von Opfern interpersoneller Gewalt im Raum Fulda. Studie zum Opferentschädigungsgesetz (OEG) und der Verfahrenspraxis in der Opferentschädigung: Zusammenfassung der Ergebnisse. pg-papers 02/2011, Fulda. (ISBN 978-3-940713-02-5) 

Grundel A, Blättner B (2011): Geschlechtergerechte Chancen auf staatlichen Ausgleich? Eine Aktenanalyse von Anträgen auf Opferentschädigung. Gender 2011; 3:138-147. 

Grundel A; Blättner B (2011): Das Opferentschädigungsgesetz und die Verfahrenspraxis: Chancen und Barrieren für Opfer interpersoneller Gewalt. Soziale Sicherheit 2011; 8:245-253. 

Vorträge 

Oktober 2011: WEISSER RING- Landestagung. Entschädigung von Gewaltopfern durch das Opferentschädigungsgesetz (OEG). Verfahrenspraxis und Ergebnisse der OEG-Studie. 

Mai 2011: Feministischer Juristinnen Tag/ Frankfurt: Entschädigung von Opfern interpersoneller Gewalt. Vorstellung einer Studie zum Opferentschädigungsgesetz und der Verfahrenspraxis. 

Dezember 2010: 16. Kongress Armut und Gesundheit Berlin. „Ungleiche Chancen auf Anerkennung und Entschädigung für Opfer unterschiedlicher Gewaltformen. Die Praxis des Opferentschädigungsgesetzes“. 

Oktober 2010: Regierungspräsidium Kassel. Plenumssitzung Aktionsbündnis gegen häusliche Gewalt in Nord- und Osthessen: „OEG - Entschädigung von Opfern interpersoneller Gewalt“.

September 2010: „Safety“- World Conference on Violence and Injury Prevention 2010 in London. “Compensation of Victims of Interpersonal Violence in Fulda County/ Germany”. Posterpräsentation. 

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Weiterführende Links

Informationen über das OEG, Antragsvoraussetzungen und Anträge zum Herunterladen finden Sie auf der Seite des Hessischen Regierungspräsidiums Gießen:

http://www.rp-giessen.de/irj/RPGIE_Internet?cid=708aa023f405a04469947682f7ed1b0f

Kontakt

Anna Grundel (M.Sc. Public Health)

Hochschule Fulda
Fachbereich Pflege und Gesundheit
Marquardstr. 35
36039 Fulda
Anna.Grundel@bitte-loeschen.pg.hs-fulda.de 

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