Pflege und Gesundheit
Sie befinden sich hier:  HS Fulda » FB PG » Forschung und Entwicklung » Pflegeforschung » EMOTi-KOMM
EMOTi-KOMM

EMOTi-KOMM - Wirkungsanalyse emotionsorientierter      Kommunikationsansätze in der Betreuung von Menschen mit Demenz in institutionellen Pflegesituationen

Gefördert vom BMBF im Rahmen der Ausschreibung SILQUA-FH

Projektleitung:
Prof. Dr. Daphne Hahn
Prof. Dr. Helma Bleses

Projektmitarbeiter:
Dr. Matthias Dammert, MPH
Christine Keller, M.Sc.

Praxispartner:
EVIM Gemeinnützige Altenhilfe GmbH
65185 Wiesbaden
Vertreten durch: Dr. Thomas Beer


Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen
Gemeinnützige GmbH
34369 Hofgeismar
Vertreten durch: Denis Oswald

 

Laufzeit: 1.05.2010-30.04.2013

Hintergrund

Aktuellen Daten zufolge leiden ca. 1,2 Millionen Menschen in Deutschland an einer demenziellen Erkrankung. Insbesondere aufgrund des absehbaren demographischen Alterungsprozesses wird bis zum Jahr 2050 mit einem Anstieg dieser Zahl auf über 2 Millionen Betroffene gerechnet.

Das Bemühen um einen menschenwürdigen Umgang mit dieser Personengruppe erfordert von Seiten der professionellen Pflege und Begleitung ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Umgang mit Menschen dar, deren Verhalten sich durch den Krankheitsverlauf bedingt so stark verändert, dass es als problematisch oder „störend“ empfunden wird.

Es wird vermutet, dass viele dieser sog. herausfordernden Verhaltensweisen für die Betroffenen die häufig einzigen verbliebenen Ausdrucksweisen sind, um ihre Bedürfnisse, ihre  Wünsche  oder ihren Leidensdruck mitzuteilen. Dabei stoßen sie jedoch häufig in Ihrer Umgebung auf Ablehnung und Unverständnis.

Die vom Bundesministerium für Gesundheit im Jahre 2006 herausgegebenen „Rahmenempfehlungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz in der stationären Altenpflege“ empfehlen eine Reihe von Maßnahmen, welche als nichtmedikamentöse pflegerische Interventionsmaßnahmen dazu beitragen sollen, die Pflege- und Lebensqualität für Demenzkranke mit „Verhaltensauffälligkeiten“ zu verbessern.

Gleichwohl ist bis heute sehr wenig darüber bekannt, wie erfolgreich die empfohlenen Maßnahmen eigentlich sind und welche Effekte diese sowohl auf die demenziell Erkrankten selbst haben als auch hinsichtlich einer möglichen Stärkung der Handlungskompetenz und der Arbeitszufriedenheit der Pflegenden. In der empirischen Forschung hat die geschilderte Thematik bislang kaum Fuß gefasst und so existieren auch nur wenige Studien, die hohen methodologischen Ansprüchen genügen. Diese fehlende bzw. nicht eindeutige Evidenz gilt insbesondere für die emotionsorientierten Ansätze zur nichtmedikamentösen Versorgung und Betreuung an Demenz erkrankter Personen.

Gegenstand des Emoti-Komm Projekts ist die wissenschaftliche Erschließung von stadienspezifischen, emotionsorientierten, pflegerischen Handlungsweisen und Handlungsstrategien im Umgang mit Menschen mit Demenz in der stationären und teilstationären Langzeitpflege. Dabei sollen die emotionsorientierten Ansätze der „Integrativen Validation“ (IVA) nach Nicole Richard und der „Basalen Stimulation“ nach Fröhlich und Bienstein untersucht werden. Beide Ansätze sind Teil der genannten „Rahmenempfehlungen“ des BMG. Bislang wurde das IVA-Konzept nach Richard noch keiner wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Und auch über die Bedeutung und Wirkung der basalen Sinnesanregung bei Erwachsenen und alten Menschen fehlen bislang aussagekräftige Studien.

Forschungsfragen

Rekonstruiert und evaluiert werden die theoretischen Elemente des Konzeptes zur IVA nach Richard sowie zur Basalen Stimulation nach Fröhlich und Bienstein. Daraus ergeben sich folgende grundlegenden Forschungsfragen:

  • Handelt es sich hierbei um theoretische Konzepte, die auf wissenschaftlich fundiertem Fachwissen basieren und schlüssig sind?
  • Handelt es sich um vermittelbares Handlungswissen, das im pflegerischen Einzelfall, d.h. hinsichtlich demenziell bedingter Verhaltensänderungen anwendbar ist und eine bessere Pflege- und Lebensqualität evoziert?
  • Können aus den Konzepten und deren Anwendungen Rückschlüsse im Sinne von verallgemeinerbaren Aussagen zur (Alten-)Pflege getroffen werden?
  • Wie werden die Konzepte der IVA und der Basalen Stiumulation eingesetzt und welche Wirkungen erzielen die einzelnen Interventionen bezogen auf bestimmte Zielkriterien, wie bspw. „Aktivitäten des täglichen Lebens“, „Aggressivität“, „Agitiertheit“ oder „Depressivität“? Wie können Verstehensschwierigkeiten und insbesondere das Problem des herausfordernden Verhaltens und damit Konfliktsituationen reduziert bzw. verhindert werden?
  • Durch welche konzeptbezogenen Techniken und Methoden kann den bekannten Problemen im Umgang mit Menschen mit Demenz vorgebeugt werden?
  • Welche konzeptbezogenen pflegerischen oder betreuenden Forschungsmethoden sind geeignet, Erkenntnisse zu den genannten Zielkriterien sowie zusätzliches Deutungswissen zur Wahrnehmungswelt von Personen mit Demenz zu deren Eigenwelterleben zu generieren?

Vorgehen

Das Studiendesign des Emoti-Komm Projekts ist als qualitative Fallstudie im Sinne einer integrierten Längsschnittstudie geplant. Durch die hierbei durchgeführten Fallvergleiche und Fallkontrastierungen werden – bezogen auf die angewandten Konzepte – Relevanzen, Varianzen, Heterogenitäten und insbesondere deren Wirkungen analysiert. Die Methode der Grounded Theory wird als geeignetes Verfahren zur adäquaten Bearbeitung der vorliegenden Fragestellung betrachtet: Handlungsweisen und Handlungsstrategien werden methodisch angemessen eruiert und unter verschiedenen Perspektiven rekonstruiert. In diesem Sinne wird das interaktiv-kommunikative Pflegehandeln (strukturiert, unstrukturiert, teilnehmend und nichtteilnehmend, Verwendung videographischer Aufzeichnungen) beobachtet. Es werden situative Gespräche und Interviews zur beobachteten Pflegesituation mit den Pflegekräften und den Angehörigen geführt.  

Die Datenerhebung findet in zwei Feldphasen in den Einrichtungen der oben angeführten Praxispartner statt. Die erforderlichen Daten werden voraussichtlich in insgesamt 10 Wohnbereichen bei ca. 50-70 Bewohnern und Bewohnerinnen erhoben. Pro Wohnbereich werden mindestens 3-4 Interviews mit Pflegenden und ggf. 2. Interviews mit Angehörigen durchgeführt.

Ziele, Qualifizierung und Verbreitung

Die hier zur Untersuchung stehenden emotionsorientierten Kommunikationsansätze in der Betreuung an Demenz erkrankter Menschen sind einerseits sehr bekannt, sie werden vielfach angewendet und erlernt, andererseits sind deren Wirkungen wie dargelegt bislang keineswegs wissenschaftlich evaluiert worden. Im Ergebnis sollen durch das Forschungsvorhaben differenzierte Aussagen über die Indikationsbereiche und Wirkungen der o.g. Konzepte getroffen werden können. Zum einen hinsichtlich einer Verbesserung der Pflege- und Lebensqualität der Betroffenen in institutionellen Pflegesituationen selbst und zum anderen hinsichtlich einer Erhöhung der Handlungskompetenz und der Arbeitszufriedenheit der Pflegenden.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens werden darüber hinaus auch wichtige Hinweise und weitere Forschungshypothesen zur palliativen Versorgung von demenziell veränderten Personen liefern und generieren.

Mit Hilfe der gewonnen Untersuchungsergebnisse soll zudem ein empirisch begründeter Beitrag zur Klärung der in der pflegewissenschaftlichen und professionssoziologischen Debatte aufgeworfenen Frage zur Professionalisierung der Pflege geleistet werden.

Die Studienergebnisse sollen flächendeckend und adressatengerecht in die Praxis transportiert werden, insb. An betroffene Menschen mit Demenz, Angehörige, Pflegekräfte, ehrenamtliche Betreuungskräfte.

Das Forschungsvorhaben wird der Gesundheits- und Pflegepolitik sowie den pflegerischen Interessensverbänden Erkenntnisse über die für die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie für die organisatorische Ausrichtung stationärer Langzeitpflegeeinrichtungen liefern.

Kontakt

Dr. Matthias Dammert, MPH
Hochschule Fulda
FB Pflege und Gesundheit
Marquardstraße 35

D-36039 Fulda

E-Mail: Matthias.Dammert@bitte-loeschen.pg.hs-fulda.de