Gesundheitsschutz bei interpersoneller Gewalt

Stopp Stalker: Strategien der Unterstützung betroffener Frauen in Hessen

gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Projektleitung:  Prof. Dr. Beate Blättner 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:  M.Sc. Elisabeth Hintz (Gesundheitskommunikation; Public Health)

Wissenschaftliche Hilfskraft: B.Sc. Regina Will (Gesundheitsmanagement; Public Health)

Laufzeit: 01.10.2010 – 31.03.2012

Kooperationspartner: unterstützt vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit; Integration in das Hessische Netzwerk Gewaltprävention im Gesundheitswesen

Nach oben

Hintergrund

Stalking ist ein komplexes Handlungsmuster des länger fortwährenden Verfolgens, Bedrohens und Nachstellens, das die Opfer ökonomisch, sozial und gesundheitlich massivst schädigen kann. Stalker und Stalkerinnen bedrohen ihre Opfer, greifen sie tätlich an, vollziehen ungeahnten Psychoterror durch verschiedenste Handlungsweisen und üben dies über einen längeren Zeitraum hinweg aus. Das Leid und die Auswirkungen des Stalkings auf die Opfer sind vielschichtig und für Außenstehende nur vage ersichtlich. Die Folgen sind nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich relevant.

Seit 2007 ist das Nachstellen (Stalking) auch in Deutschland ein eigener Straftatbestand (§ 238 StGB). 2008 wurden in Deutschland 29.273 Straftaten nach § 238 StGB erfasst (Bundeskriminalamt 2009) wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Eine repräsentative Befragung in Mannheim ergab eine Lebenszeitprävalenz von rund 12 %, bei Frauen von 17 % und bei Männern von 4 % (Dressing et al. 2005). Frauen sind zwei- bis viermal häufiger betroffen, etwa 75 % der Opfer sind weiblich (Spitzberg 2002). Stalking beschreibt somit eine Form von interpersoneller Gewalt, die eine geschlechtsspezifische Struktur aufweist und daher Gegenstand der Genderforschung ist. Beim Stalking sind es überwiegend Männer, die diese Form der Gewalt ausüben.

Das Motiv des Stalkings ist, wie bei anderen Gewaltformen auch , Macht und Kontrolle zu gewinnen und das Opfer psychisch, sozial, ökonomisch und physisch zu schädigen. Stalking kann sich bis zu körperlicher oder sexualisierter Gewalt steigern und im Extremfall bis zum Tod des Opfers führen. Auch ohne körperliche Angriffe kann Stalking gravierende Negativfolgen für die Lebensqualität, die Gesundheit, die soziale und ökonomische Situation und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der von Stalking Betroffenen haben.

Es fehlen derzeit Erkenntnisse darüber, inwieweit die Interventionen des Hilfssystems bei Stalking an Empowerment-Prozessen orientiert sind zum Erhalt deren Handlungsmacht. Darüber hinaus welche Effekte die Management-Ratschläge auf die betroffenen Frauen haben und ob die vorhandenen Interventionen angemessen sind. Aus der bisherigen Erkenntnislage kann die Notwendigkeit abgeleitet werden, unabhängig von der Potenzialität weiblicher Stalker und männlicher Opfer, Stalking als Mittel der Gewalt gegen Frauen zu betrachten und die Stalking-Forschung in die Frauen - und Genderforschung besser zu integrieren.

Nach oben

Forschungsfragen:

  • Welche Sicht auf die Situation der betroffenen Frauen nach Einführung des § 238 entwickeln Expertinnen und Experten?
  • Kann die Sicherheit betroffener Frauen hinreichend gewährleistet werden?
  • Welche Möglichkeiten bestehen, gerichtsverwertbar die schwerwiegende Beeinträchtigung der Lebensgestaltung zu objektivieren?
  • Kann der durch Stalking entstehende Demoralisierung entgegengewirkt werden?
  • Wie ist das nationale Netzwerk von Hilfesystemen im Kontext von Stalking organisiert?
  • Welche konzeptionellen Vorstellungen werden in den Beratungen verfolgt?

Nach oben

Vorgehen

In einem qualitativen, Hypothesen generierenden Forschungsdesigns sollen Phänomene (Erfahrungen, Sichtweisen und Einstellungen) erfasst werden. Die Studie soll eingebettet in die Frauen- und Genderforschung erfolgen im Hinblick auf geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen einerseits und in die Forschung über Empowerment-Prozesse andererseits.

Als Erhebungsmethode bietet sich das Interview an, das in seiner Form in den Untersuchungsebenen, dem jeweiligen Gegenstand angemessen, einen methodisch unterschiedlichen Charakter haben wird.

Arbeitspaket  1:
Aufarbeitung des relevanten, aktuellen Erkenntnisstandes zu Genderforschung, Forschung zu Empowerment-Prozessen und Forschung über Stalking. Die Literatursuche wird systematisch über die Datenbanken Social Science Citation Index, PsycInfo, EMBASE, CINAHL und über das Angebot von www.Juris.de erfolgen sowie durch pragmatische Suchstrategien ergänzt.

Arbeitspaket 2:
Die Struktur des Netzwerkes und Konzepte der Versorgung der Hilfesysteme in der Versorgungsregion Osthessen soll erhoben werden, hierzu sollen Leitfaden gestützte Experteninterviews durchgeführt werden.

Arbeitspaket 3:
Die Sichtweisen von Expertinnen und Experten generieren; vorgesehen sind hierzu Experteninterviews auf nationaler und internationaler Ebene, die weit möglichst als Gespräche auf gleicher Augenhöhe strukturiert sind, d.h. Gespräche, in denen explizites Wissen rekonstruiert wird.

Arbeitspaket 4:
Ein kontinuierlicher Diskussions- und Umsetzungsprozess soll mit den ersten vorliegenden Ideen und Erkenntnissen erfolgen. Weiterhin sollen Publikationen erstellt und Vorträge durchgeführt werden sowie eine Rückkopplung der Ergebnisse erfolgen.

Nach oben

Kontakt

M.Sc. Elisabeth Hintz
Hochschule Fulda
Fachbereich Pflege und Gesundheit
Marquardstr. 35
36039 Fulda
Tel.: 0661-96060-603/ -600
Elisabeth.Hintz@bitte-loeschen.hs-fulda.de

Nach oben