Pflege und Gesundheit
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Kuschel

Befragung von Fuldaer Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern, Lehrenden sowie Ärztinnen und Ärzten zu Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen bezüglich HPV, Gebärmutterhalskrebs, dessen Prävention sowie zur Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV)
 

      Gefördert vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst

  • Projektleitung: Prof. Dr. Daphne Hahn, Prof. Dr. Dr. Ilse Heberlein
     
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Caroline Fink
     
  • Studentische Mitarbeiterin: Frauke Doherr
     
  • Laufzeit: 15.06.2010 – 30.11.2011
     
  • Kooperationspartner: Schulamt Fulda, pro familia

Hintergrund

Die Erreichung des bestmöglichen Standards sexueller und reproduktiver Gesundheit gilt als Menschenrecht. Leitprinzipien zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit sind in den vergangenen Jahren vielfach auf internationalen Konferenzen wie der Weltgesundheitsversammlung 1998 oder der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo (ICPD) bestätigt und in internationalen Dokumenten wie dem Rahmenkonzept Gesundheit21 niedergelegt bzw. mit dem Konzept der sexuellen Rechte erweitert worden (WHO 1998, IPPF 2009). Zu diesen Leitprinzipien gehört der barrierefreie Zugang zu Angeboten der Gesundheitsversorgung einschließlich solcher der reproduktiven bzw. sexuellen Gesundheit.

Die Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) zählt derzeit zu den am häufigsten sexuell übertragenen Infektionskrankheiten und spielt eine große Rolle bei der Entstehung des Zervixkarzinoms (Hepburn/Kaufmann 2009). Weltweit ist der Gebärmutterhalskrebs eine der am häufigsten tödlich endenden Krebsarten; im Jahr 2002 erkrankten 493.000 Frauen und 274.000 starben daran (Parkin/Bray 2006). In Europa ist die Anzahl seit den 1950er Jahren rückläufig, was vor allem durch die veränderten Lebensbedingungen begründet ist. Das Zervixkarzinom entwickelt sich langsam und kann in den verschiedenen Stadien unterbrochen werden. In Deutschland gibt es verhältnismäßig wenige Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Auch Todesfälle sind in Deutschland relativ selten. Bei den Krebsneuerkrankungen steht Gebärmutterhalskrebs in Deutschland an 12. Stelle und an 13. Stelle bei der Krebssterblichkeit (RKI 2010). Jährlich erhalten ca. 6500 Frauen die Diagnose Gebärmutterhalskrebs (AWMF 2008). 1492 Frauen starben im Jahr 2006 daran (RKI 2010).

Humane Papillomaviren werden meist durch Geschlechtsverkehr übertragen, können aber ebenso durch Haut-zu-Haut-Kontakt weitergegeben werden. Im Verlauf ihres Lebens stecken sich mehr als 80 % beider Geschlechter mit dem HP-Virus an (RKI 2007). Bei 70 bis 90% der infizierten Frauen ist die Infektion nach 1 bis 2 Jahren nicht mehr nachweisbar (Schiffman 2007/RKI 2007). Bei ca. 10% bleibt die Infektion bestehen. Durchschnittlich dauert es 10 Jahre bis sich aus einer HPV-Infektion eine Krebsvorstufe entwickelt und weitere 10 Jahre bis daraus ein invasives Karzinom entsteht (NNFG 2008). Von etwa 100 HP-Viren zählen 15 zu den Hochrisikotypen, die zelluläre Veränderungen bis hin zum Gebärmutterkrebs bewirken können. Die Virustypen HPV 16 und 18 können bei 70 % der Zervixkarzinome nachgewiesen werden (RKI 2009).

Der bisherige Fokus der Vorsorge liegt auf sekundären Präventionsmaßnahmen. In Deutschland haben Frauen ab 20 Jahren die Möglichkeit jährlich eine zytologische Untersuchung mittels PAP-Abstrich durchführen zu lassen. Die seit 2006/2007 europaweit zu gelassenen Impfstoffe, Gardasil und Cervarix, stellen erstmals eine primäre Präventionsmöglichkeit zur Vorbeugung einer HPV-Infektion dar. Mit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) aus dem Jahr 2007, 12 bis 17jährige Mädchen zu impfen und der Übernahme der Impfkosten durch die Krankenkassen sollte ein Schritt in diese Richtung gegangen und der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs vorgebeugt werden.

Das politische Engagement, die Gesundheit von Mädchen und Frauen zu verbessern und damit in primäre Prävention zu investieren, ist grundsätzlich positiv zu bewerten, dennoch gibt es gegenwärtig noch eine Reihe offener Fragen. Beispielsweise ist über die Dauer des Impfschutzes und mögliche nichtintendierte negative Auswirkungen der Impfung auf die Gesundheit noch wenig bekannt. Impfkritiker befürchten auch, dass die Darstellung der Impfung als „Impfung gegen Krebs“, wie sie teilweise in den Medien vermittelt wird, zu einem falschen Sicherheitsgefühl und dadurch zu einer sinkenden Teilnahmerate an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen führen könnte. Zudem könnte die Auffassung der HPV-Impfung als hundertprozentige Schutzmaßnahme vor Gebärmutterhalskrebs zu einem Rückgang der Safer-Sex-Praktiken und damit zur Ausbreitung anderer sexuell übertragbarer Krankheiten führen (CWHN 2008)

Ein weiterer Punkt in der öffentlichen Diskussion stellen die Unterschiede in den geschlechtsbezogenen Impfempfehlungen im europäischen Ausland dar. Es wird die Frage gestellt, ob eine erfolgreiche Immunisierung nicht die Impfung beider Geschlechter erfordern würde.

Ebenfalls wird erörtert, ob die Beweggründe, welche im europäischen Ausland zu einer Impfempfehlung für beide Geschlechter geführt haben, nicht auch für Deutschland in Betracht zu ziehen seien, da die Impfung beide Geschlechter vor Infektionsfolgen schützen und eine geschlechtsspezifische Impfung letztlich höhere gesundheitliche Kosten verursachen könne.

Um in Erfahrung zu bringen, welche dieser Diskussionspunkte sich tatsächlich auf die Impfbereitschaft der Jugend auswirken, wollen wir uns folgenden Fragestellungen widmen:

Fragestellung

Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welches Wissen in verschiedenen Gruppen über HPV, den damit assoziierten Krankheiten sowie der primären und sekundären Prävention besteht, welche Informationen bzw. Informationsquellen Grundlage für das Wissen darstellen und welche Einstellungen bzw. Verhaltensweisen bezüglich HPV-Impfung und Prävention vorhanden sind.

Die geplante Untersuchung schließt Jungen und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren, deren Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sowie Ärztinnen und Ärzte mit ein und soll regional in Fulda Stadt sowie Landkreis Fulda durchgeführt werden.

Vorgehen

(1)   Systematische Literaturrecherche in den Datenbanken zum internationalen Forschungsstand PUBMED, PSYCHINFO, ADOLEC sowie Handsuche in einschlägigen Fachzeitschriften

Nutzung quantitativer Forschungsdesigns zur Hypothesentestung

(2)   Befragung der Schüler und Schülerinnen mittels eines standardisierten Fragebogens

(3)   Erhebung des Impfstatus durch Sichtung der Impfausweise der Schülerinnen

(4)   Befragung der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen in Fulda und Fulda Landkreis mittels einer modifizierten Version des Fragebogens der Uni Greifswald

Nutzung eines qualitativen Forschungsdesigns zur Hypothesengenerierung

(5)   Focus Groups mit den Eltern der Schülerinnen und Schüler

(6)   Focus Groups mit den Lehrern und Lehrerinnen

(7)   Experteninterview mit pro familia

Literatur

  • AWMF – Arbeitskreis Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (2008): Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien. Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, Deutschen STD Gesellschaft, Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.
  • Hepburn, H. M.; Kaufmann, A. M. (2009): Nobelpreis für Impfung gegen Krebs. Der Internist, 50, 5, 617-626.
  • IPPF- International Planned Parenthood Federation (1997): IPPF Charta der sexuellen und reproduktiven Rechte. Frankfurt am Main, Pro Familia
  • NNWFG - Nationales Netzwerk Frauen und Gesundheit (Hrsg.) (2008): Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. HPV-Impfung. Informationen und Erfahrungen. Eine Entscheidungshilfe.
  • Parkin, D. M.; Bray, F. (2006): The burden of HPV-related cancers. Vaccine, 24S3, 11-25.
  • RKI (2007): Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren Empfehlung und Begründung. Epidemiologisches Bulletin, 12.
  • RKI (2009): Impfung gegen HPV – Aktuelle Bewertung der STIKO. Epidemiologisches Bulletin, 32.
  • RKI (2010): Krebs in Deutschland 2005 – 2006. Häufigkeiten und Trends. Berlin: - Robert-Koch-Institut.
  • Schiffmann, M. (2007): Human papillomavirus and cervical cancer. Lancet, 370, 890-907.
  • WHO (1998): Gesundheit21: Eine Einführung zum Rahmenkonzept “Gesundheit für alle” für die Europäische Region der WHO. Europäische Schriftenreihe „Gesundheit für alle“, Bd. 5.

Kontakt

Prof. Dr. Daphne Hahn, Prof. Dr. Dr. Ilse Heberlein
Hochschule Fulda
Fachbereich Pflege und Gesundheit
Marquardstr. 35
36039 Fulda
E-Mail: daphne.hahn@bitte-loeschen.pg.hs-fulda.de