Hochschul- und Landesbibliothek
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Zur Geschichte der Hochschul- und Landesbibliothek (HLB)

Am 1.1.2001 wurde die bis dahin selbständige Hessische Landesbibliothek in die Hochschule Fulda (damals: Fachhochschule) integriert und zusammen mit der nunmehr auch ehemaligen Fachhochschulbibliothek entstand die neue Hochschul- und Landesbibliothek an zwei Standorten.

Bis zu einem mittelfristig geplanten Neubau unter Beibehaltung des Bibliotheksgebäudes der Landesbibliothek am Heinrich-von-Bibra-Platz erfüllt die neu entstandene Bibliothek ihre vielfältigen Aufgaben an zwei Standorten:
 Am Standort Marquardstraße, der ehemaligen Fachhochschulbibliothek, bietet sie ihre Dienstleistungen vorrangig als Unterstützung für Lehre, Studium und Forschung der Fachbereiche an, am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz erfüllt sie schwerpunktmäßig ihre landesbibliothekarischen Aufgaben. 
 
 Beide Bibliotheksteile haben ihre Geschichte. 
 Die Fachhochschulbibliothek entstand 1971 mit der Gründung des damaligen Bereichs Fulda der Fachhochschule Gießen. Sie übernahm die seit 1963 aufgebauten Büchersammlungen des später aufgelösten Pädagogischen Fachinstituts Fulda, Teilbestände anderer pädagogischer Fachinstitute und einige umfangreichere Schenkungen. 
 Von 1985 bis 1999 erhielt die Bibliothek Bundesmittel zum Aufbau eines Büchergrundbestands. Der Bestand umfaßt heute über 200.000 Bände, 680 Zeitschriften sind zur Zeit abonniert. 
 Die Erwerbungsentscheidungen, die überwiegend die an der Hochschule Fulda vertretenen Fachbereiche Sozialwesen, Wirtschaft, Angewandte Informatik und Mathematik, Oecotrophologie, Lebensmitteltechnologie, Elektrotechnik, Pflege und Gesundheit, Sozial- und Kulturwissenschaften treffen, sind vom Lehrangebot mit seinen (wechselnden) Schwerpunkten und Ausrichtungen bestimmt. 
 Dem Auftrag der (Fach)Hochschulen entsprechend befindet sich zu einem überwiegenden Teil lehrbuchartige und anwendungsbezogene Fachliteratur im Bestand. 
 Die Bibliothek ist im 1989 bezogenen Mehrzweckgebäude der Hochschule untergebracht. Der Bestand steht überwiegend in systematischer Freihandaufstellung zur Verfügung, davon 30.000 Bände im Präsenzbestand. 
 Um die Buch- und Zeitschriftenbestände sind 75 Benutzerarbeitsplätze angelegt, teilweise in Einzelarbeitsräumen und einem Gruppenraum. 
 In die Bibliothek sind als Sonderabteilungen integriert die Medienstelle, die Nicht-Buch-Materialien sammelt und mit Unterstützung entsprechender Wiedergabegeräte benutzbar macht sowie das 1995 eröffnete Spezialisierte Europäische Dokumentationszentrum, das aufgrund einer Übereinkunft mit der Europäischen Kommission amtliche Druckschriften der Europäischen Union bereithält. 
 Zur Unterstützung ihrer Aufgaben setzt die Bibliothek die Datenverarbeitung ein: CD-ROM-Arbeitsplätze, Mitwirkung im Hessischen Bibliotheks-Informationssystem (HEBIS-PICA, zur Zeit Erwerbung, Katalogisierung, Online-Katalog, Ausleihverbuchung, Fernleihe, kooperative Sacherschließung). 
 

Die Geschichte der ehemaligen Hessischen Landesbibliothek Fulda als der kleinsten wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek in Hessen reicht weiter zurück. 
 1776 gründete Fürstbischof Heinrich von Bibra die Öffentliche Bibliothek mit Beständen, die großenteils nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Konventsbibliothek, der Hofbibliothek, Teilen der 1773 aufgehobenen Jesuitenbibliothek und der Bibliothek des Päpstlichen Seminars in Fulda gesammelt worden waren. Am 5. Mai 1778 öffnete die Bibliothek erstmals ihre Pforten, und so können wir in 2003 auf eine nunmehr 225jährige Geschichte zurückblicken. Zu dem Anfangsbestand kamen private Stiftungen, die reiche Sammlung der Pfarrkirche in Hammelburg und nach der Säkularisierung von 1802/03 weitere Kirchenbibliotheken aus dem Umland mit Handschriften und Drucken. 
 Von der einstmals berühmten Fuldaer Klosterbibliothek waren schon zum Zeitpunkt der Bibliotheksgründung kaum noch Bände vorhanden. Sie gingen zum größten Teil während des Dreißigjährigen Krieges verloren. Wichtigen Zugewinn erhielt die Bibliothek durch 1560 Bände aus dem Kloster Weingarten am Bodensee: 1802 wurde der Erbstatthalter von Holland, Wilhelm V. von Nassau-Oranien-Dillenburg, für den Verlust seiner holländischen Herrschaft mit dem Fürstentum Fulda sowie Weingarten und Corvey entschädigt. 
 Teile der Weingartner Bibliothek wurden nach Fulda überführt, darunter 146 Handschriften des 10. bis 13. Jahrhunderts. Sie bilden zusammen mit den drei bonifatianischen Codices und einem auf Pergament gedruckten Exemplar der Gutenberg-Bibel (Band 1) die Glanzpunkte der Schausammlung der HLB. 
 Ein Glücksfall für die Bibliothek war die Erwerbung der Schwankschen Stiftung von 1886 mit 7.300 z. T. seltenen und alten Drucken, darunter vielen zur Geschichte Fuldas und 209 Handschriften. 
 Sie besitzt zudem die größte Sammlung von Werken des Humanisten Ulrich von Hutten (1488 - 1523) in Deutschland, wenn nicht gar weltweit. Zusammen mit einer beträchtlichen Anzahl von frühen Ausgaben der Werke Luthers und anderer Reformatoren stellen diese Drucke, Handschriften und Bildnisse einen nicht zu vernachlässigenden Fundus wichtiger geistesgeschichtlicher Quellen dar.

Zu den landesbibliothekarischen Aufgaben gehört die Versorgung der Bewohner der Region Osthessen, traditionsgemäß auch mittelhessischer sowie seit dem Wegfall der innerdeutschen Grenze auch westthüringischer Gebiete, mit Literatur. 
 Sie besitzt das Pflichtexemplarrecht für den Landkreis Fulda, d.h. alle Verleger, Selbstverleger und Drucker müssen der HLB ein Exemplar der bei ihnen erschienenen Werke kostenlos zur Verfügung stellen. 
 Darüber hinaus sind Bücher und Schriften über die Region Fulda weitgehend vollständig vorhanden. 
 Werke über Hessen allgemein werden ebenfalls gesammelt. Zu allen gängigen Wissensgebieten sind grundlegende Werke vorhanden. 
 Derzeit hat die HLB Fulda am Standort Heinrich-von-Bibra-Platz ca. 445.000 Bände in ihrem Bestand, davon 77.000 Bände aus der Zeit vor 1900. Darunter sind 431 Inkunabeln (Drucke vor 1500) und fast 10.000 Bände des 16. und 17. Jahrhunderts. 
 Hinzu kommen 836 Handschriften, ferner Urkunden, über 7500 Musikalien, Karten, Stiche usw. Weiterhin werden ca. 1.670 meist deutschsprachige wissenschaftliche und allgemeinbildende Zeitschriften und zahlreiche Tageszeitungen gehalten. 
 Die HLB Fulda ist Depotbibliothek für den Fuldaer Geschichtsverein und den Verein für Naturkunde in Osthessen, d.h. die beiden Vereine haben ihre Bestände zur Aufbewahrung und Nutzbarmachung übergeben. 
 Auf diese Weise sind hier in Fulda beachtliche Spezialsammlungen zur Landes- und Naturkunde zusammengekommen und können in der HLB eingesehen und ausgeliehen werden. 
 Eine weitere Aufgabe ist ihre Mitarbeit an der jährlich erscheinenden Hessischen Bibliographie, einem laufenden Verzeichnis aller über Hessen erscheinenden Titel. Zu diesem Zweck werden alle Bücher und Zeitschriftenaufsätze mit Hessenbezug, die im Pflichtexemplargebiet der HLB erscheinen, erfaßt und an die Zentralredaktion in Frankfurt gemeldet. Die Hessische Bibliographie kann bei uns eingesehen werden. 
 Mittlerweile sind alle bibliographischen Daten der hessischen Bibliographie online zugänglich.